Viel hat sich nicht verändert, seit das „Massoud Godemann Trio“ zuletzt im „Rind“ gastierte hatte und das war gar nicht schlimm. Denn wer das Trio um den Hamburger Gitarristen kennt, der weiß, dass es der Band nicht um Konventionsbrüche und Konzepte des Zusammenspiels geht, sondern dass das „MG3“ seine Nische schon seit vielen Jahren gefunden hat. Auch beim mittlerweile vierten Gastspiel im „Jazzcafé“ und nach zehn Jahren Bandgeschichte sind die drei Musiker der lyrischen Seite des Jazz noch nicht überdrüssig geworden, und auch das Bandkonzept selbst scheint sich für das „MG3“ immer wieder als nahe am Idealzustand herauszustellen.
Idealzustand ist auch das Stichwort, will man die Verbindung näher beschreiben, die den Kern des Trio-Sounds ausmacht. Es ist die Verbindung von Musiker und Gitarre, die in Godemanns Fall besonders unmittelbar und innig auszufallen scheint. Denn nicht nur, dass die Gitarre geradezu als natürliches Sprachrohr für die melodischen Ideen und dynamischen Nuancen der Godemannschen Intuition funktioniert. Der Gitarrist scheint auch nichts diese Verbindung stören lassen zu wollen, verzichtet er doch auf jegliche Klangmodifikation, die über die Finger als Klanggeber und grundlegende Verstärkereinstellungen hinaus geht.
Ergebnis ist ein überaus organischer Sound mit viel Seele, dessen Durchsetzungskraft einerseits vom melodisch-harmonischen Gespür Godemann genährt wird, aber auch von der wohlüberlegten Dosiertheit, mit der alle spielerischen Mittel eingesetzt werden.
Und genau hier kommen die beiden Mitstreiter Godemanns, Gerd Bauder am Bass und Drummer Michael Pahlich, ins Spiel, die den oft weit gespannten Wellen in Godemanns solistisch-lyrischen Ausflügen folgen und so das Bild von einer Band komplettieren, die ganz bei sich selbst ist.
Wie stark die Verbindung und das gegenseitige Verständnis zwischen den Musikern ist, bleibt am Sonntag das ganze Konzert über spürbar, besonders offensichtlich wird es aber bei den dynamischeren Titeln im Set. So etwa beim treibend-durchmischten Protest-Jazz-Prachtstück „Anti Dot“, bei dem die Band zwischenzeitlich ihren entspannten Grundtonus aufgibt und mit leichten Hip-Hop-Flavors und der Energie der Gitarrenhelden aus den sechziger Jahren durch die Stile zappt.
Mitreißend, überraschend groovig, innovativ, verwirrend schön und von geschmeidiger Zärtlichkeit war das außergewöhnliche Finale, mit dem die erfolgreiche Reihe „Jazzmühle" sich In die Sommerpause verabschiedete: Drei virtuose Instrumentalisten aus Hamburg, die sich zum Massoud Godemann Trio (MG3) zusammen gefunden haben, waren In der Ritterhuder Jazzmühle zu Gast.
Namensgeber und Komponist Massoud Godemann an der Gitarre, Drummer Michael Pahlich und Bassist Gerd Bauder nahmen die Zuhörer in der voll besetzten Mühle mit ihrem frischen, lebendigen Spiel im Nu gefangen und entführten sie in eine musikalische Welt voll Leidenschaft, Temperament, Melancholie und freundlicher Gelassenheit. Die ersten beiden Stücke waren der Liebe gewidmet. Auf den bluesig, sanften Einstieg mit der betörenden Ballade "Afrodite" folgte das gefühlvolle „Je t'aime", Der charismatische Bandleader Massoud Godemann dominierte mit dem reinen Klang seiner filigran perlenden Gitarrenlinien, Er unterlegte sie mal flüsternd mit geschlossenen Augen wie in Trance, mal jaulend, temperamentvoll vom Hocker aufspringend mit lautmalerisch-summendem Scat-Gesang, Die beiden Partner antworten mit seidenweich gestreichelten Trommelpassagen und einem feinfühlig sanften Sass. Godemanns ganzer Körper ist Musik wenn er sich mit seinen beiden Partnern mal behutsam, mal leidenschaftlich verständigt und sich einfühlsame Dialoge liefert.
Das Trio spielte vom alltäglichen Leben inspirierte Eigenkompositionen Godemanns und eröffnete Klangwelten, die zwischen lyrischer Sphärenmusik und mitreißenden Grooves changierten. Der suggestiv-brodelnde Rhythmus des von den bunten Läden Hamburg-Altopas inspirierten Balkan-Sambas "Ke Bop", sorgte dafür, dass den Zuhörern warm ums Herz wurde. Der rockige Protestsong „Antidot" war die originelle Antwort des Trios auf die kulturelle Entwürdigung durch TVFormate wie „Deutschland sucht den Superstar". Bei der Hymne an einen Kastanienbaum glaubte man das Laub rascheln zu hören. Mit gefühlvollen Kompositionen wie „Follow Your Haart" und einer Hommage an Aristoteles ging es nach der Pause weiter.
Bassist Gerd Bauder ist mit seinem elegant geschmeidigen, unaufdringlichen Spiel der Pulsgeber des Trios. In seinen Soli schuf er melodiöse Klanglandschaften, die die Zuhörer verzauberten. Als rhythmisierendes Bindeglied zu Schlagzeuger Michael Pahüch brillierte er mit seinen Harmonie-Variationen und schnellen Läufen. Mit einem ganzen Arsenal von Drumsticks sorgte Schlagzeuger Michael Pahlich für dynamische Wirbel und flüsternd streichelnde, seidenweiche Passagen.
Alle drei sind brillante Musiker, die ihr Instrument präzise bis in kleinste Nuancen beherrschen. Gemeinsam aber sind die drei schlicht genial. Ihr perfektes Zusammenspiel macht aus drei exzellenten Solisten ein Trio, das wie ein lebendiger musikalischer Organismus funktioniert. Das Trio folgt kaum Trends, verzichtet auf Standards und agiert aus sich selbst heraus. Einflüsse von Swing, Latin, Bebop, Funk und Rock lassen sich nicht verleugnen. Tobias Knecht aus Stuttgart, darin Bremen Gitarre studiert und seine thailändische Frau Saypin waren begeistert vom groovenden Rhythmus des Trios. „Die gehen alle drei ganz in ihrer Musik auf. Man spürt, dass das ihre ganz eigene Musik ist" fand auch Ralf Schlechtweg aus Blumenthal, der mit seiner Nachbarin Anke Schmitz in die Jazzmühle gekommen war. Nach drei Zugaben entließ das begeisterte Publikum die drei Musiker. Aber erst, nachdem sie versprochen hatten wieder zu kommen.
KONZERT: Trio des Hamburger Virtuosen Massoud Godemann trumpft im Rüsselsheimer Jazzcafé groß auf. Ein gestrichenes Bass-Solo weckt Assoziationen an die europäische Romantik, die perlenden Gitarrenlinien und das sensible Schlagzeugspiel bleiben verwurzelt im Modern Swing. Der Begriff "kammermusikalischer Jazz" wird oft klischeehaft missbraucht, doch für das Trio des persischstämmigen Hamburgers Massoud Godemann trifft die Bezeichnung voll und ganz zu.
"Open range" ist eine Komposition des Bandleaders, in der der Bassist Gerd Bauder in ein einfühlsames Zwiegespräch mit dem Gitarristen eintritt, später sein Instrument straight marschieren lässt. Bauder füllt die Funktion als Pulsgeber des Trios voll aus, ist mit Harmonie-Variationen und manchmal fast gitarrenähnlichen schnellen Läufen kongenialer Partner Godemanns sowie zugleich mit der Rhythmisierung das Bindeglied zum Schlagzeuger Michael Pahlich.
Godemann ist ein Poet unter den Jazzgitarristen, ein Ästhet wie Joe Pass. Seine filigranen Linien und die oft sparsam eingesetzten Singlenotes in den im Rüsselsheimer Jazzcafé "das Rind" vorgetragenen Eigenkompositionen verraten ein Gespür für eine in sich logisch geschlossene Form. Das Spiel der drei Musiker lebt von den Interaktionen, impressionistischen Klangfarben und eingängiger Melodiösität. In den meist von lyrischer Grundstimmung geprägten Kompositionen, aber auch in den schnellen und groovenden Stücken bleibt Massoud Godemann stets stimmführend. Apropos "Stimme". Kaum ein Ton auf der Gitarre bleibt unkommentiert. Scattend begleitet er seine Läufe auf dem Instrument, rundet auf diese Weise den Sounds des Trios ab.
Schön wie "Aphrodite" ist die gleichnamige Komposition, die Bauder mit einem gestrichenen Grundakkord einleitet, der in flirrendes Saitenspiel übergeht, bevor Godemann zu sanften Besenstrichen Pahlichs kurze Singlenote-Linien einfügt, zu einem perlenden Lauf wechselt und zum Ausklang einen Ton vibrierend stehen lässt.
Zu ostinaten Akkordgriffen auf dem Bass und sparsamem Spiel auf den Trommeln schraubt Godemann in "Je t´aime" die Dynamik seines Saitenspiels bis zu fast unhörbaren, schwebenden Tonfolgen herab. Kontrastierend dazu hält es den Gitarristen im schnellen und groovenden "Kebop" nicht auf dem Hocker. Bei einem von arabischer Klangfarbe geprägten Lauf windet sich der Gitarrist wie ein Derwisch. Die Zuhörer genießen diese geschmeidige Musik des Trios, die dennoch nicht ganz auf Ecken und Kanten verzichtet.
Experimentelle Eigenkompositionen präsentierten im Kulturhof (v. li.) Massoud Godemann, Michael Pahlich und Gerd Bauder. Moderne improvisierte Kammermusik wurde am vergangenen Freitag vom "Massoud Godemann Trio" im Kulturhof gespielt.
Die drei im Jazz beheimateten Musiker Massoud Godemann (E-Gitarre). Michael Pahlich (Schlagwerk) und Gerd Bauder (Kontrabass) breiteten ihren Teppich aus und bauten ihre Instrumente vor der Bühne auf. Sie unter strichen damit die gemüt liche Jazzclub-Atmosphäre und rückten näher zusammen mit dem zahlenmäßig kleinen Publikum, das den Abend genoss.
Experimentelle Eigenkompositionen kamen vielfältig im Ausdruck daher - zum Beispiel als "Afrodite" leise und zart oder als "Antidot" rockig und laut. Virtuoses, präzise abgestimmtes Instrumentalspiel wurde vokal von Godemann begleitet und untermalt.
Immer gefühlvoll und überraschend melodisch auch Pahlich am Schlagzeug - mal mit den Händen, mal mit diversen Arten von Drumsticks strich, klopfte, tupfte und wirbelte er. Individuell, voller Spaß und in ständiger Kommunikation zueinander improvisierten die drei Musiker Stücke, die definitiv nicht Mainstream sind.
Hamburger Geschichten vertonte das Massoud Godemann-Trio und brachte sie mit ihrem unnachahmlichen Programm "Fat Jazz" auf die Rohrbacher Incontri-Bühne. Rund 40 Gäste erlebten das musikalische Schmankerl mit. Wohl kaum einer von ihnen hat genau das erwartet, was Gitarrist und Mastermind Massoud Godemann, Bassist Gerd Bauder und Schlagzeuger Michael Pahlich dort vorbrachten.
Massoud Godemann beschreibt sich selbst als Klangmaler an der Gitarre. Bei seinem kammermusikalischen Jazz verzichtet er bewusst auf die Klassiker aus dem American Songbook. Vielmehr baut er voll und ganz auf gefühlvolle Eigenkompositionen. Sie machen das Trio aus, das eine besonders abgefahrene Form des Jazz bevorzugt.
Godemann untermalt sein Spiel ständig stimmlich – mit einer Art Summen. In seiner Musik geht er voll und ganz auf, sogar körperlich. So wirft er sich mit Bauder und Pahlich ständig gegenseitig die Bälle zu, die aus unterschiedlichen Themen und Motiven bestehen. Hanseatischer Jazz, mitten in der Holledau.
Die Entscheidung für diese Gruppe war sicherlich gewagt und ganz gewiss war der Auftritt nicht Jedermanns Sache. Er war vielmehr ein Experiment und als solches bestens dazu geeignet, die Bandbreite der bei Incontri auftretenden Künstler zu dokumentieren. Liebhaber haben Godemann und seine Mitstreiter aber schnell gefunden.
Im Laufe des Abends zog das Trio immer mehr Gäste in der Kulturwerkhalle in seinen Bann und erntete schließlich am Ende jenen starken Applaus, den es sich durch großes Engagement auch redlich verdient hatte.
Es ist klassisch aufgestellt, verzichtet auf Spielereien, die über das Instrument hinausgehen, und auch die selbst für Jazzbands introvertierte Bühnenpräsenz verströmt Mauerblümchen-Charakter. Dass sich das "Massoud Godemann Trio" am Sonntag im "Jazzcafé" dennoch zum Glanzpunkt entwickelte, lag zum einen an der individuellen Klasse der Musiker um den Gitarristen Massoud Godemann.
Ein ganzes Stück weit war das besondere Hörerlebnis aber auch gerade dem reduzierten Bandkonzept zu verdanken, das den Werken des Hamburger Trios Ursprünglichkeit verlieh.
Das Stimmgerät war, neben den unvermeidlichen Verstärkern, so ziemlich das einzige elektronische Helferlein, dessen sich Godemann bediente. Finger und Gitarre - viel mehr braucht der Bandleader nicht als Klangerzeuger und entlockt seiner Semi-Akustischen dennoch mehr Schattierungen als mancher mit einem ganzen Spielplatz an Effekten ausgestatteter Gitarrist. Wenn Godemann zu seinen lyrischen Soli ansetzt, wirkt er wie ein reiner Instinkspieler. Statt turbulenter Skalen-Rallyes über das Griffbrett gibt es wohl gesetzte Spannungsbögen, die, dafür spricht auch der Unisono-Scat des Instrumentalisten, direkt dem Moment zu entspringen scheinen.
Wie viel Kognition und Vorarbeit dazu gehören, den spielerischen Instinkt in die Bandumgebung zu überführen, merkt man, wenn Godemann seinen Kollegen Gerd Bauder am Bass und Drummer Michael Pahlich das Zepter überlässt und mit gleicher Intensität und Treffsicherheit den Arrangements folgt. Die präsentierten sich als beiderseits überaus gut aufgelegt und spielfreudig, besonders Pahlich belegte mit dynamischem Spiel bemerkenswerte Musikalität und Spielkultur. So ist es kaum ein Wunder, dass das "Massoud Godemann Trio" stilistisch kaum Trends folgt und viel lieber aus sich selbst heraus agiert. Wer es darauf anlegt, kann daher eine ganze Reihe an Einflüssen in der Musik des Trios ausmachen, die von Swing, Bebop und Modern über Anklänge an Acid, TripHop und Latin bis hin zu Funk- und Rockzitaten reichen.
Mitreißender Jazz zur Teatime - Das Massoud Godemann Trio jazzte Herz erwärmend und betörend schön. Massoud Godemann ist ein Reisender, der offenen Auges durch die Welt geht und das Unerwartete sucht. Ihn inspiriert das alltägliche Leben. „Jazz kommt von der Straße“, sagt Massoud Godemann, Jazzgitarrist, Komponist und Leader des nach ihm benannten Trios.
„Wir wollen die musikalischen Geschichten aus Paderborn, Cuxhaven, Hamburg und Eppendorf erzählen. Nicht die aus New York oder New Orleans.“ Diese Sujets findet das Trio reichlich, denn alle drei Mitglieder haben ihren Lebensmittelpunkt in Hamburg, im multikulturellen Gewirr von St. Pauli, Altona und dem Schanzenviertel. Ihre Musik beschreibt Godemann als modern chamber music. „Nicht das einzelne Instrument zählt, sondern die Gesamtheit“, ist deshalb auch das Motto der Künstler.
Glück möchte das Trio seinen Zuhörern vermitteln, sagt Godemann und das ist ihm und seinen Partnern im Keitumer Teekontor am vergangenen Samstag überzeugend und sympathisch gelungen. Ausgesprochen gut besucht war dieses Neujahrsjazzkonzert zur Teestunde und der Funke sprang gleich über. Denn so wie das Trio auftritt und wie es seine Gefühle und Gedanken instrumental vermittelt, wirkt es originell und von intimer Schönheit.
Die Musiker zelebrieren einen Groove, der mal swingt, mal rockt, mal in verzückter Zärtlichkeit, mal in hitziger Hektik daherkommt, aber immer in einem hoch präzisen Zusammenspiel die große Musikalität verrät. Massoud Godemann ahmt sein Gitarrenspiel lautmalerisch durch melodisch gesungene aneinandergereihte Silben nach. In seiner Kehle steckt die zweite Gitarre, mit der er schmeichelt, klagt, flüstert, schimpft, zärtlich und leise von Liebe - und aufbegehrend und verzweifelt von Schmerz erzählt. Mit diesem Scat- Gesang gibt der Band-Leader dem Vortrag eine ganz eigene Färbung und Faszination.
Blues, Funk und Rock vermischen sich in den Werken der Hamburger und ergeben eine fein gesponnene, luzide und beherrscht gespielte Musik. In dem Stück Antidot, das als Mittel gegen schlechtes Fernsehen komponiert wurde, hört man geradezu, wie die Musiker den Schwachsinn so mancher Talkrunde verjazzt zum Teufel jagen. Wenn sie sich im Graviton-Blue mit den angenommenen kleinsten Teilchen der String-Theorie befassen, dann blitzen und fliegen einem diese um die Ohren, die Mini-Bausteine des Weltalls leuchten kurz aus getriebener Raserei auf. In Open Range dagegen streifte das Trio in ruhiger Ausformung in einer weiten Landschaft umher.
Für das außergewöhnliche künstlerische Erlebnis bedankte sich das Publikum mit viel Beifall, und Wolfgang Zaeske und Franziska Guckes haben ihrer Kulturreihe ein weiteres Glanzstück hinzugefügt. Auch für dieses Jahr haben sie Kultur zur Teatime für Literatur- und Musikfreunde versprochen.
Massoud Godemann Trio begeisterte sein Publikum
"Eimsbüttel ist ein Hamburger Stadtteil mit vielen Pigmentschichten. Der Jazz liegt dort förmlich auf der Straße", erklärte am Freitag Gitarrist Massoud Godemann im Cafe Olé dem Publikum die Herkunft seiner in keine Jazzschublade passenden Kompositionen. Zusammen mit dem Schlagzeuger Michael Pahlich und Gerd Bauder am Kontrabass zelebrierte er ein Konzert, das das Prädikat "außergewöhnlich und genial" verdiente.
Godemanns Gitarrenspiel ist prägnant, häufig sehr akkordisch angelegt. Er ist nicht der modale Skalenritter. Das Besondere: Kein einziger Ton aus seinem Instrument bleibt stimmlich unkommentiert. Godemann begleitet sich selbstversunken mit der Stimme. Alle Gitarrenphrasen unterlegt und erweitert er mit seiner ganz eigenen Art des Scatgesangs. Er summt, nutzt ziselierte Silbenkombinationen, um Staccato-Phrasen noch prägnanter werden zu lassen. Er springt in vehementen Passagen auf, lässt seine Gitarre aufkreischen und schreit.
Ein Einmann-Orcbester, das eigentlich keiner Mitspieler bedarf. Doch Pahlich und Bauder wissen die Kompositionen nicht nur mit genialen Breaks und kleinen kontrapunktischen Kabinettstückehen anzureichern. Sie greifen feinfühlig in die Kompositionen mit vermeintlich zufällig erklingenden Unisono-Passagen ein. "Wir folgen einem genauen Plott", weiß der Bassist zu berichten.
Die Komposition "Ke-Bop", eine Hommage an seine Schwiegermutter, habe der Wind ihm ins Ohr gesungen, berichtet Godemann. Eine zärtliche Melodie entlockt der Musiker seiner Gitarre. Mit geschlossenen Augen singt er sich dazu fast in Trance. Drummer und Bassist unterlegen das zum liebeslied avancierende Werk mit zartem Trommelgeklöppel und warmen Basspassagen.
Ganz im Gegensatz dazu die Komposition "Anti-Dot" - eine Klage gegen den "Schwachsinn, den TV-Sender tagtäglich ausstrahlen": Hackender Rhythmus und dazu Godemann, der schreiend, unterlegt mit explosivem Gitarrenspiel, den Frust lautstark deklamiert.
Massoud Godemann Trio im Birdland / Hamburg 29.05.07. Das Massoud Godemann Trio gehört seit einigen Jahren zu den innovativen Projekten im Gitarrenjazz. Alleine die Entscheidung, ausschließlich Eigenkompositionen zu spielen und auf Bewährtes aus dem American Songbook zu verzichten, macht die erste CD des Trios „Phat Jazz“ in der doch zumeist eher konservativ ausgerichteten deutschen Gitarrenszene (es gibt natürlich Ausnahmen!) zu etwas Besonderem.
Zu Beginn des Pfingstwochenendes hatte ich nun die Gelegenheit, das MG3 erstmals live zu sehen – im renommierten Hamburger Birdland. Leider kostete mich der Feiertagsverkehr auf der Strecke Köln-Hamburg den ersten Set, wir kamen erst in der Pause in den Club. Also erst mal den Straßenstaub mit einem guten norddeutschen Bier aus der Kehle spülen.
Die Band betritt also die Bühne zu einem zweiten Set, das Setup ist beinahe das übliche, ein kleines Schlagzeug, Kontrabass mit Tonabnehmer und Amp, Gibson an Fenderamp. Als die Band beginnt zu spielen, ist jedoch sofort klar, dass hier etwas außergewöhnliches vor sich geht, das weit über die Erfahrung der Ohren hinausweist.
Das Trio stimmt sich mit einer langen Klangimprovisation ein, in der alle Musiker tonale Aufgaben übernehmen und die schließlich in eine kraftvolle Komposition mündet. Beim Massoud Godemann Trio handelt es sich ja nicht um eine immer neu zusammen gewürfelte Besetzung, die Band arbeitet kontinuierlich und bringt Musik und Zusammenspiel dabei auf ein immer höheres Niveau.
So funktioniert die Kommunikation zwischen den drei Musikern automatisch, eingespielt, beinahe schlafwandlerisch. Exzellent Michael Pahlich, der seinem Schlagzeug große Dynamik vom Flüstern bis zum Schreien abringt und mit seinen ständig permutierenden Grooves eine bewegte und variantenreiche rhythmische und klangliche Basis für die Entdeckungsreisen der beiden Saitenbeweger Godemann und Gerd Bauer bereitet.
Gerd Bauder wirkt hinter seinem Kontrabass wie der ruhende Pol der Band und tatsächlich erfüllt er auch oft die wichtige Rolle des Pulsgebers, ohne ständig four-to the-bar Klischees zu bedienen. In den freieren Passagen malt er in Bass und Bogen wunderschöne Klanglandschaften, seine Soli sind melodiös, geschmackvoll und virtuos.
Virtuos ist auch eines der ersten Stichworte, die einem zu Massoud Godemann einfallen, seine Instrumentenbeherrschung muss er aber nicht in kraftmeierischen Endloslinien vorführen, sein Spiel hat Dynamik und Finesse, die musikalisch-klangliche Gestaltung gerade leiser Passagen zeugt von seiner immensen Musikalität und Meisterschaft.
Ein fester Bestandteil seines runden Sounds ist seine immer präsente Falsettstimme, mit der die sangliche Qualität seiner Linien und Melodien unterstreicht. Godemann sucht und findet denn auch sofort den Kontakt zum Publikum, dieses Trio ist für die Leute da.
Nach einem Set, das – ausschließlich mit Eigenkompositionen Godemanns, die mit ihren melodischen, freien, ostinaten, ruhigen und galoppierenden Passagen alle musikalischen Parameter ausloten – einen großen dramatischen Bogen spannt, verlangt das Publikum vehement nach Zugaben.
Die zarte wie abstrakte Interpretation des Miles Davis zugesprochenen Klassikers Blue in Green beruhigt die Audiogeschmacksknospen noch einmal wie ein kühlendes Sorbet, bevor das Trio mit einem kraftvollen Blues seine Restenergie in das dankbare Publikum pumpt. Eine bewegende und gute Erfahrung.
Meine Empfehlung: Wenn das MG3 mal in eurem Dorf spielt, geht hin!
Massoud Godemann Trio überzeugt mit gefühlvollen Eigenkompositionen
Massoud Godemann Trio verzauberte im „Nil“ mit emotionalen Jazz-Eigenkompositionen
Wenn man von einer Kombination aus Elektrogitarre, Bass und Schlagzeug hört, dann denkt man sofort an Krach, Krawall, ja Rock oder ähnlich harte Musik. Wird aber Jazz im Zusammenhang erwähnt, dann stutzt man zunächst.Jazz? Ohne Klavier? Ja, scheinbar undenkbar, dass Rhythmus- und Harmonieinstrumente gemeinsam Melodien entwickeln können-sind doch die gängigen Jazzcombos immer mit einem Melodieinstrument, einem Klavier oder Bläser, besetzt.
Ungewöhnlich also, mutig und absolut überzeugend: Denn das Massoud Godemann Trio aus Hamburg bewies im „Nil“, dass es keineswegs fließende Pianoklänge braucht, um emotionalen Jazz herbeizuzaubern. Genauso einfühlsam kann man eben auch mit einer Elektrogitarre, einem Bass und einem Schlagzeug spielen.
Massoud Godemann an der Elektrogitarre bewies dies vorneweg. Seidenweich, ja fast schon harfenartig klingen seine ersten Töne in „Afrodite“. Michael Pahlich setzt am Schlagzeug ein und behandelt dieses ebenfalls wie mit Samtpfoten. Dann folgt Gerd Bauder am Bass, der das feine Spinnennetz mit eingängigen Rhythmen weiterwebt.
Die drei Musiker lassen sich von der ersten bis zur letzten Sekunde ihrer Stücke vollkommen auf ihre Musik ein. Mit ganzer Leidenschaft und voller Konzentration.Sie sind Perfektionisten, das spürt man sofort.Jeder Ton wird äußerst virtuos ausgekostet.Was macht der andere?
Wie nimmt er die sanfte Atmosphäre auf? Das Trio geht aufeinander ein, improvisiert, provoziert einander und reagiert auf die anderen-intimer geht es kaum.
Die Arrangements stammen von den Künstlern selber, für ihr erstes Album „Fat Jazz“, das 2004 erschienen ist. Jazz, der das wahre Leben erzählt, den jeder versteht und mit dem sich jeder sofort identifizieren kann. Man braucht einfach nur die Augen zu schließen. Zum Beispiel bei „Je t´aime“- das Hamburger Trio reflektiert gewissermaßen Gefühlshöhen und-tiefen.Wie ein Schriftsteller, der seine Gefühle zu Papier bringt, schicken sie diese mit ihren Instrumenten hinaus in Hörweite. Ihre Instrumente werden zu Federhaltern, mit denen musikalische Gemälde Strich für Strich äußerst zärtlich, einfühlsam, elegant, aber auch explosiv und energisch gezeichnet werden.
Doch die Musiker sind nicht nur verträumt und sphärisch. Es kann auch richtig zur Sache gehen. Wenn Godemann zum Beispiel an Fernsehshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ denkt, dann dreht sich bei ihm der Magen um, und genau das wird in einem Protestsong namens „Antidot“ deutlich.
Bei den bizarr-schmissigen Funktönen verausgaben sich die Musiker völlig. Die Musik geht durch Mark und Bein. Grandios auch Godemanns Scat-Gesang. Der Gitarrist flüstert oder jault zu seinen gezupften Klängen, er ahmt die Laute nach und verstärkt den Sound.
Das ist Jazz, wie er sein sollte: einerseits unvollkommen, andererseits ein am Ende überraschend zusammengestelltes Mosaik, für jeden erreichbar, immer für Verwirrungen und Verblüffungen gut, rundherum ansprechend, eine Momentaufnahme, aber auch zeitlos.
Zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein ist keine Frage der Kalkulation, sondern die Kunst des Gespürs. Solche seltenen Momente des Glücks durften Musiker und Besucher der Hofkultur am Sonnabend gleichermaßen erleben. Erstmalig gastierte das Massoud Godemann Trio aus Hamburg in Flensburg.
Und auch für den vollbesetzten Innenhof der Marienburg (Rum Johannsen) war es eine Premiere, dieser Konzertveranstaltung einen würdigen Rahmen zu verleihen. Mehr noch: Dieser Ort wurde zu einer Oase in der Wüste aus Hektik und Reizüberflutung. Wohl dem, der sich hier unbefangen und wertfrei einlassen konnte auf eine Expedition ins Reich der Sinne. Unter der exzellenten Führung des Diplom-Jazzgitarristen und Komponisten Massoud Godemann war das Publikum jederzeit auf der sicheren Seite. Godemann, ein Autodidakt und "Forscher", der nicht von messbarer Virtuosität geprägt ist, sondern von wohltuender Ehrlichkeit und Authentizität. Das sind die Schlüssel zur Seele seiner Musik.
In dem Bassisten Gerd Bauder und dem Schlagzeuger Michael Pahlich hat Godemann zwei mehr als zuverlässige Begleiter gefunden. Weitab vom Image der "jungen Wilden" verkörpern sie ein hohes Maß an spielfreudiger Homogenität. Bauders wärmender Bassklangteppich war ein absoluter Hörgenuss, Pahlichs Mimik und Gestik beim Trommeln eine faszinierende Augenweide. Immer wieder verstand es das Trio, den Bogen von Spannung zu Entspannung versiert zu schließen, Tempowechsel geschickt zu verschachteln, Harmonien sanft zu sprengen und nach Herzenslust zu improvisieren.
Mit seinem zuweilen zirzensischem Entertainment gelang es Godemann sogar, dem gebannten Publikum bei aller Ernsthaftigkeit in seiner Musik ein Lachen abzugewinnen. Welcher Jazzkomponist widmet schon einen Titel (übrigens eine Welturaufführung in Flensburg) seiner Lieblingsschwiegermutter? Oder präsentiert voller Sarkasmus einen Protestsong gegen die "Versumpfung der deutschen Fernsehlandschaft"?
Mit dem Konzert des Massoud Godemann Trios hat es die Hofkultur (wieder einmal) unter Beweis gestellt, eine perfekte Symbiose zwischen Künstlern und Publikum geschaffen zu haben. Zur rechten Zeit, am richtigen Ort.
Ein Festivalauftakt schon am Donnerstagabend ist allerorts eine spezielle Herausforderung. Die Organisatoren müssen etwas ganz Besonderes bieten, um ihr Publikum zu erreichen, die Atmosphäre eines Jazzfestivals entstehen zu lassen.
Der Emskult hat dies beim ersten Konzert der 7. Emsdettener Jazztagen geschafft, dabei seinen hohen musikalischen Anspruch entsprochen. Nicht umsonst gehören die Emsdettener Jazztage zu den renommiertesten Jazzreihen auch auf überregionaler Ebene. Eingeladen in den Lichthof von Stroetmanns Fabrik war das Massoud Godemann Trio, fester Bestandteil der Hamburger Jazzszene und Garant für innovative Improvisationskunst.
Wer nach einem arbeitsreichen Tag ein rein intellektuelles Spielen erwartete oder ungehemmten Freejazz befürchtete, wurde positiv überrascht. Von hauchzarten Tönen bis zur Explosion der Gefühle - diesem leidenschaftlichen Anspruch folgend wurde das interessierte - und auch zahlreiche - Publikum von dem Gitarristen Massoud Godemann, Bassist Gerd Bauder und Schlagzeuger Michael Pahlich geradezu verwöhnt. Schon beim ersten stück »Afrodite« wurde die introvertierte Spielweise dieser Musiker deutlich, schuf sofort einen feinsinnigen Kontakt zum Publikum. Man lauschte der brillanten improvisationsbetonten Interaktion zwischen den Musikern, die in immer wieder neuen Sequenzen das thematische Grundmaterial veränderten, die besinnlich träumerische Stimmung aber beibehielten. Fein ziselierte klangmalerische Melodien fügten sich zu einem fast impressionistischen Bild.
Dass Massoud Godemann wichtige Eindrucke von seinem amerikanischen Lehrer Joe Pass erhalten hat, klang gelegentlich durch. Aber über die Jahre hat er, ähnlich wie Peter Autschbach, eine eigene Musiksprache entwickelt, die ihn auszeichnet. Seine musikalischen Wurzeln, sein Weg führte vom akademisch bestimmten Jazz zum Hardrock und glücklicherweise zum feinsinnig freien Jazz zurück, zeigten sich in jeder Komposition. Ob in der kokett mit Stilmitteln jonglierenden Balkan-Samba »Kebop«, dem leger virtuos inspirierten Boulevard-Verse zu »Je t'aime« oder im mit Rockmotiven gespickten »Antidot« - das Massoud Godemann Trio war jederzeit für Überraschungen gut.
Auf den verschlungenen Improvisationspfaden folgte man ihnen bereitwillig ins Reich der Polyrhythmik, wo auch harmonische Grenzen mit sanften Tönen gesprengt wurden. Verwirrend schöne und anmutige Linien und Muster spannte Massoud Godemann in seinen Eigenkompositionen, hat mit Gerd Bauder und Michael Pahlich genau die Musiker gefunden, die gefühlsmäßig zu seiner Musik am besten passen. Michael Pahlich zeigte am Schlagzeug eine Punktgenauigkeit, die bei solch sanfter Spielweise nicht oft anzutreffen ist. Gerd Bauder entlockte seinem Kontrabass einen wiechen und farbenreichen Klang, seine Virtuosität stellte er immer in den Dienst der musikalischen Aussage.
Dass dieses Trio auch rhythmisch mitreißen kann, zeigte sich bei »Let's drive«. Als Start in die fulminanten Folgekonzerte war dieser sensibel gespielte Abend passend gewählt. Ob in der »kleinen Trilogie«, dem einzigen Standard an diesem Abend, »Ladybird« oder bei der Liebesballade »She's the one« - die intime Atmosphäre des Musizierens ermöglichte ein meditatives Lauschen. Man fühlte sich nach dem Konzert geradezu erholt.
„Einmal bin ich durch Eimsbüttel gegangen, habe die unterschiedlichstrn Gerüche wahrgenommen, die fremden Gesichter gesehen –da musste ich Eimsbüttel vertonen.“ Mit diesen Worten kündigte Bandleader und Jazzgitarrist Massoud Godemann das Stück »Kebop« an.
Er präsentierte es während eines Open Air Konzerts des Massoud Godemann Trios im Innenhof des Dithmarscher Landesmuseums, das von der Dithmarscher Jazzinitiative (jazzcoast.di) veranstaltet wurde.
Das Stück »Antidot« (Gegengift) entstand hingegen „durch einen Schock vor dem Fernseher“, als sich Godemann eine der zahlreichen Casting Shows ansah. Die beiden Beispiele zeigen, woher Massoud Godemann die Inspirationen für seine Kompositlonen nimmt. „Jazz kommt von der Straße“, sagt er, er entspringt dem Leben. Daher ist seine Musik lebendig und authentisch. Sie ist ein kompakter Sound aus Elementen unterschiedlichster Stilrichtungen. Mal kommt er swingend, mal rockig, mal sind die Töne fein mal bombastisch. Aber stets hat das Trio den Groove, ihre Musik entspannt und ausdrucksstark zu vermitteln. Und bei allem nehmen sie sich viel Raum für Improvisationen und freies Zusammenspiel. Es ist ein eigener, erfrisehender Stil, den sie selbst als »Fat Jazz« bezeichnen.
Neben dem Bandleader und Gitarristen gehören Gerd Bauder (Bass) und Michael Pahlich (Drums) zum Massoud Godemann Trio. Es war schon ein musikalischer Leckerbissen. den sich mehr als 80 Jazzenthusiasten nicht entgehen ließen. Mit einem derartig großen Zuspruch hatten selbst die Veranstalter nicht gerechnet - die vorhandenen Eintrittskarten reichten nicht aus. Und alle waren von dem Vortrag des Massoud Godemann Trios begeistert. gerieten ins Schwärmen.
Open Letter
Scena Music/Cargo
Veröffentlichung: 05.11.10
Jazz wurde lange von sinnentleerter Virtuosität geprägt, die nur sich zum Inhalt hatte. Musikalität, Melodien oder kompaktes Zusammenspiel waren nicht mehr unbedingt gefragt. Doch die neue Generation der Jazzer sieht das anders und für die steht der Gitarrist mit seinen Begleitern. Natürlich gibt es nach wie vor atemberaubende Soli und beeindruckende Breaks, aber die finden eben in Kompositionen statt, die melodisch Sinn machen. Das ist toller Jazz.
Massoud Godeman (Komposition & Gitarre), Gerd Bauder (Kontrabass) und Michael Pahlich (drums) betreiben seit 2001 mit dem MG3 eine „Versuchsanstalt für Klangmosaiken“. Musikalisch und klangästhetisch jazzverwurzelt geht’s auf diesem Zweitwerk des Trios auch mal etwas freier, improvisatorischer zu. Eigenwillig, eigenständig – Nu Cool würde ich das mal nennen.
Freie Interaktion zwischen allen Beteiligten steht auch bei dem MASSOUD GODEMANN TRIO im Vordergrund. Auf „Open Letter" (Sena Music/Cargo) ist man vor ungewohnten musikalischen Überraschungen und vielschichtigen Rhythmuskonfigurationen nie sicher. Gitarrist Massoud Godemann, Bassist Gerd Bauder und Schlagzeuger Michael Pahlich brechen auf ihren Kompositionen oftmals mit den gewohnten Jazz-Konventionen und pumpen so Frische in die Szene.
Selbst Free - Interaktionen mit Bogenstrichen auf den Becken und hingetupften Single - Notes auf der Gitarre verraten den Hang des Komponisisten und Gitarristen Massoud Godemann zur ästhetisch geprägten Klangmalerei. Wenn dann noch wie in „OpenRange“ ein gestrichenes Bass - Solo Assoziationen an die europäische Romantik weckt, dann charakterisiert der oftmals lediglich als Klischee missbrauchte Begriff von „kammermusikalischem Jazz“ die Musik des Massoud Godemann Trios im besten Sinne des Wortes.
Doch die Klangästhetik ist nur eine Seite des persischstämmigen Hamburger Künstlers Godemann. „Graviton Blues“ zeigt als schnelles, expressives und groovendes Stück die andere Seite der Seele eines Komponisten, der mit seinem Instrument zu den Poeten im zeitgenössischen Jazz zählt, der allerdings niemals die Tradition und Verwurzelung im Swing leugnet.
Reizvoll an der neuen CD des Trios mit dem Gitarristen Massoud Godemann, dem Bassisten Gerd Bauder und dem Schlagzeuger Michael Pahlich sind die Kontraste, die in Kompositionen etwa von „Shades of Colour“ stecken: die verspielte und transparente Leichtigkeit sowie der erdige und treibende Groove – Impressionen und Expressionen zugleich. Kontraste, die von den beiden Saiteninstrumenten getragen und vom gleicher - maßen sensibel - flexiblen wie percussiven Schlagzeugspiel unterstrichen werden.
Faszinierend sind in dem virtuos eingespielten Trio sowohl die filigranen Soli auf der Gitarre und die harmonisch abgerundeten Basslinien sowie die einfühlsamen Zwiegespräche Godemanns und Bauders. Das homogene Klangbild wäre auch undenkbar ohne die dienliche Untermalung und Unterstützung Pahlichs auf Trommeln und Becken.
Massoud Godemann: Meister der pointierten Aussage – Er sagt: "Ich schreibe immer Stücke, die ich gar nicht spielen kann. Aber so lernt man was", oder:„Du hast die Ehre und die Würde, Fehler zu machen", oder. „Wer keine Vorbilder hat, hat nichts verstanden" oder: „Jazzförderung ist Jazzzerstörung." Wenn er auftritt, spricht er mit den Zuhörern Klartext, und die sind gebannt und begeistert. "Andere Jazzer leiden in ihre Noten hinein. Aber Jazz ist Leben, und Leben ist Freude."
Massoud Godemann lebt in Hamburg, ist ein Kind persisch-französischer Eltern. Die ließen sich scheiden, die Mutter heiratete einen Deutschen, der neue Vater war „der richtige". Eine Großmutter war Zirkusartistin, die persischen Vorfahren waren Militärs und Diplomaten, „da gab's gar keine Artisten". Geboren wurde er in einem Dorf bei Teheran, kam als Dreijähriger erst nach Berlin, dann nach Frankreich und dann endlich nach Hamburg. Die Leidenschaft seiner Kindheit und Jugend gehörte der Chemie und der Biologie; aber nach dem dritten Semester hängte er das Studium an den Nagel: Die Gitarre, bei den Pfadfindern entdeckt, war stärker. Spielte er sie mal nicht, „dann hat die mich richtig angejammert. Kennst du das? Das ist unerträglich!" Mit 14 in der Schule erste Band, mit 15 erste Auftritte, damals in Lüneburg, Rock'n'Roll pur. Mit 17 spielt ein Freund ihm Joe Pass' „Intercontinental" vor: „Diese Platte hat mir das Hirn radiert. Die "Rockgitarre kam unters Bett", der Verzerret „wurde ausgemacht", eine preiswerte Häfner markiert das neue leben. Amateur-Lehrer - andere gab's noch nicht - wurden gesucht, „hier im Dorf, da im Dorf. Heute gibt's das nicht mehr."
Dann verkauft er „alles, was weg konnte, verlor viele Freunde" und haute ab, nach Wien, zu les Wise 1990. 1992 gibt Wise ihm die Adresse von 1oe Pass in Hamburg, und bei Pass hat er dann ein halbes Jahr regelmäßig Unterricht. „Mir ging's ums Phrasieren - wie verbinde ich Noten." Sein Jazzleben fängt im Septett an. Dann „habe ich immer einen weggekürzt, bis runter zum Trio - je mehr Anforderungen ich mir zumute, desto mehr muss ich lernen." Und da sind Einsichten wie "Du musst deine Stilmittel so einsetzen, dass sie deiner Vision entsprechen." im Übrigen hat er mehr Pianisten studiert als Gitarristen". Das sagt viel. Im Frühjahr 2001 gründet er sein MG3-Trio mit dem Bassisten Gerd Bauder und dem Drummer Michael Pahlich. Bauder „kann wunderbar stilübergreifend spielen, und er hat den Schmutz noch". Er nennt ihn „einen der hörendsten Musiker, die ich kenne". Trommler Pahlich „ist mein ganz persönlicher Kerker", der so viel weiß über Rhythmen und Form.
„Ich bin ein Real-Time-learner - die beiden sind letztlich meine besten lehrer" 2004 kommt „Fat Jazz" raus, ein Debüt, das die Fachkritik verzaubert. 2008 lädt ihn der Architekt Garsten Roth ins Institut für Baukonstruktion und Industriebau ein, zu Vorträgen, in denen Massoud über Form, Rhythmik, Proportion und Vision referiert. Und 2014 ist "Open fetter" da, die zweite Trio-CD, eines der schönsten, poetischsten, bewegendsten, überzeugendsten Jazzgitarre-Alben überhaupt. Falls überhaupt, assoziiert man Giorgio Crobus Ästhetik, aber keine Sekunde Joe Pass. Ein "Suchender; ein „Besessener", ein „Kämpfer für das Echte", der den Hörern „den Mammon aus den Ohren spielen" will - Massoud Godemann meint das ernst, auch Sätze wie „Um eines künstlerischen Ausdrucks fähig zu sein, sollte man reflektieren können", „Meine Musik ist eine Hommage an das Leben", „Es ist wichtig, dass man an etwas glaubt. Und dazu gehören manchmal auch Banalitäten", „Kunst und Leben gehören zusammen" oder auch: „Ich will nicht denen gefallen, die mir überhaupt nicht gefallen... Ich will mir nicht mehr Realität von einer entmündigten Masse beschreiben fassen." Eher schon von Massoud Godemann, wenn er durch seine Musik spricht.
Den Hamburger Massoud Godemann erst jetzt und nicht schon mit seinem DebütTrioalbum „Fat Jazz" kennen gelernt zu haben, zählt zu der wachsenden Zahl jazzgitarristischerVersäumnissen, die in die Abteilung „unmöglich" gehören. Massoud, dessen Vorname ägyptische Wurzeln andeutet, stellt sich selbst dar als ein „Suchender, ein Philosoph, ein Besessener, ein Kämpfer für das Echte." Den Menschen „den Mammon aus den Ohren zu holen", ist er bestrebt. „Qualität" und „das Schöne" sind Schlüsselbegriffe für das, was er sucht. Und selbst erschafft. Das klingt in unserem zentraleuropäisch nüchternen Bewusstsein etwas girlandenreich und pathetisch. Aber, mon dieux, es ist so. Und deshalb demnächst in diesem Theater eine Vorstellung dieses ungewöhnlichen Künstlers wert.
Im Booklet zu „Open Letter" steht, an wen der gerichtet. sei: den „Zeitgeist.IDie Ansage an die Betaversion der Welt,/die das Sein dem Schein opfert" - aber es ist ja so. „Dieser Brief ist Klang, der das Wahre zulässt": Ob der allerdings den Zeitgeist mit seinem kommerzverkleisterten Ohren erreicht, muss wohl offen bleiben. Zumindest erreicht er uns. Und dürfte „wahre" Jazzgitarre-Fans und -Freunde zutiefst berühren als eines, wenn nicht das schönste Album dieser Art, das uns je untergekommen ist und das wir ohne Zögern Giorgio Crobus „Abarossa" von 200516 an die Seite stellen - pure Sensibilität und Sensualität, vermittelt von einer Trias - am Bass Gerd Bauder, Michael Pahlich, drums - kongenialer Geister, die den größten Teil dieser sieben Massoud-eigenen Stücke frei improvisierend gestalten, Stücke, die an Feinheit, Eleganz und fast ans Mystische grenzender Tiefe ihresgleichen nicht haben.
Mehr Schönheit im auch klanglich klassischen Trio-Setup ist nicht vorstellbar, und mehr „Trio" ist es auch nicht: Massoud lässt beiden Mitstreitern sehr viel Platz, und alles, was sie spielen, ist Welten entfernt vom bloßen Drang nach Geräuscherzeugung. Massouds Spiel selbst ist ein außerordentlich subtiles Fest, in dem noch der winzigste höchste Ton auf dem Griffbrett herausgerettet wird aus dem Endlosreich hohler Flüchtigkeiten. Nichts ist beiläufig, nichts bedeutungslos; alles hängt synergetisch miteinander zusammen. Und dass das so in freien Improvisationen ist, erscheint im wahrsten Wortsinn wunder-bar. Tatsächlich: Diese Musik hat nachgerade kathartische Kräfte, Kräfte, die noch der winzigsten Geste und deren Dynamik und Dramatik den feinsten Regionen erlesener Poesie erwachsen. Es macht betroffen. Es betrifft uns.
Dass der Jazz immer wieder eine Verjüngung erfährt, liegt an Protagonisten wie Massoud Godemann. Der Gitarrist und Komponist hat mit dieser Scheibe lupenreinen Jazz geliefert. Begleitet von Kontrabass und Schlagzeug lotet Godemann jede Note bis ins Detail aus. Das klingt kein bisschen abgehoben, sondern ist „konsumierbar". Die Tracks reißen den Hörer in eine Welt aus Sounds, sphärischen Klängen, intelligenten und dennoch ungebändigten Rhythmen. Der Kontrabass sorgt für den Erdkontakt der musikalischen Astronauten.
Sie selbst bezeichnen sich als „Versuchsanstalt für Klangmosaiken". Seit 2001 musizieren Massoud Godeman (Gitarre, Kompositionen), Michael Pahlich (Drums) und Gerd Bauder (Kontrabass) nun schon unter dem Namen Massoud Godeman Trio. Seitdem spielten sie u. a. beim Jazzfestival Dubai, auf der Popkomm in Berlin und auf dem Elbjazz-Festival im Hamburger Hafen. Das aktuelle zweite Album, nach „Fat Jazz" im Jahr 2004, hört jetzt auf den Namen „Open Letter" und zeigt ein extrem spielfreudiges Trio.
In den insgesamt sieben Stücken (allesamt über fünf Minuten lang) stehen die Musiker über ihre Instrumente quasi in ständigem Dialog miteinander, „untersuchen konsumfördernde Simulacren (Beta World)" und „befassen sich mit der Atomphysik (Graviton Blue)", wie es in der Presseinfo heißt. Das klingt mal sanft und weich, mal nach reichlich Ecken und Kanten. Am besten wäre allerdings, selbst in die Welt des Massoud Godemann Trios einzutauchen und sich mitnehmen zu lassen auf ihrem Trip durch freie Strukturen und komplexe Klangwelten. Das neue Album Open Letter' des Massoud Godemann Trios erscheint am 5.11. via Sena Music / Cargo.
Fat Jazz
Jazz, SMD NEO-GO
CD CD942304
Veröffentlichung: 13.09.04
Jazzthing, Jazz'n'More, Jazzethik, Jazzzeit, Jazz Podium, Keyboards, Kulturnews, Coupé, Hifi&Records, Image HiFi, Stereoplay,Feuilleton Frankfurter Rundschau, Oldiemarkt, Kulturspiegel, Landeszeitung Lüneburg.
3Sat - Kulturzeit, RBB-ZIBB, Lokalsender Tide HH
Spiegel Online, Jazzdimensions, Jazzpages, laut.de, Gästeliste.de
Playlist für "Baby Dance" bei JAM FM, Jazz Twenty5 (WDR 5), WDR3 open, NDR Info, SWR Kopfhörer, Radio Eins "Right Tracks", WDR 5 "Jazzpoint".
»Endlich mal ein Jazz Thema aus Deutschland, das sich nicht hinter internationalen Künstlern verstecken muss.« (aus Artists Sony/ BMG Germany/Switzerland/Austria - No Limits To Music)
“Ich will die Geschichten aus Paderborn, Cuxhaven, Hamburg und Eppendorf erzählen. Nicht die aus New York oder New Orleans“,bemerkt Massoud Godemann. Mit dieser Aussage steht der Gitarrist, Komponist und Bandleader stellvertretend für das neue und ungebrochene Selbstbewusstsein einer jungen Generation von Jazzmusikern.
Nachzuhören auf Godemanns im Trio mit dem Bassisten Gerd Bauder und dem Drummer Michael Pahlich eingespielten CD „Fat Jazz“. Bei vielen Club-Gigs vor allem in Norddeutschland erarbeiteten und probten die drei Musiker das Repertoire ihrer Platte. Die ausschließlich von Godemann geschriebenen Originals basieren natürlich auch auf der amerikanischen Tradition und Spielpraxis, weil Groove und Swing, Jazz-typische Phrasierung und Harmonik stets präsent sind.
Doch in der Art und Weise, wie diese Elemente durch den Wolf gedreht und mit genrefremden Stilistiken zu rätselhaften Collagen neu zusammengesetzt werden, wie mit fesselnder und erfindungsreicher Musikalität althergebrachte Strukturen und Formen aufgebrochen werden, offenbart sich tatsächlich ein unerwarteter und bislang unerforschter Weg durch das Dickicht der Jazz-Postmoderne.
Kommunikation und Interaktion sind demnach auch die wichtigsten Faktoren für die drei Musiker. Godemann:“Das Zuhören bringt Dinge zu Tage, die du vorher nicht im Blick hattest.“
Anders als der Titel erwarten lässt, bietet das Trio des Hamburger Gitarristen (mit Gerd Bauder am Bass und Michael Pahlich am Schlagzeug) fein ziselierte, durchsichtige Klänge.
Man hört, dass Godemann sein Handwerk bei dem US-amerikanischen Virtuose Joe Pass gelernt hat: Er spielte dann freilich auch jahrelang in einer Hardrockband. Weshalb er sein Album nun als Ausdruck einer langen Entwicklung versteht.
Manchmal lohnt es, sich in verborgenen Nischen umzutun – fernab von lärmender Branchenroutine und gewohnten Rastern. Man könnte zum Beispiel in die Schublade Gitarrenjazz greifen und auf Massoud Godemann stoßen.
Einen jungen Musiker, der mit großem Geschick und einem hohe Maß an Sensibilität nach Wegen sucht, den warm verhangenen Klang der klassischen Jazzgitarre in eine unverkennbar eigene Musik zu übersetzen. Die Debüt-CD von Godemanns Trio steckt nun den Rahmen ab: Da ist einmal der mulmige Unterwasserklang der dicken Gitarre, den der Joe-Pass-Schüler übernommen hat. Da ist auch die Ökonomie seiner Phrasierung und die sensiblen Interaktion mit den Partnern an Bass und Schlagzeug.
Und da ist andererseits die Dichte des Zusammenspiels, die Offenheit der Kompositionen, die immer wieder den Weg in verschiedene Richtungen gestattet. Und über allem leuchtet die Eleganz, mit der Godemann seine melodischen Formulierungen findet. Es ist eine große Tradition, in der er sich mit diesem Trio stellt, und zweifellos erweist sich Godemann ihrer würdig.
Jazzpoeten unter den Elektrogitarristen sind rar. Um so deutlicher ist deshalb ihr persönliches ProfIl zu erkennen. Aus Tönen wie Seide zupft Massoud Godemann mit seiner Gitarre feste Gewebe, in die er verwirrend schöne Akkord- und Linienmuster einzieht.
Das Vokabular des Cool Jazz und Bebop - Joe Pass war sein Vorbild und Lehrer - hat Massoud Godemann stilbewusst mit Gerd Bauder (bass) und Michael Pahlich (drums) erweitert. Etwa um die kokett flanierende Balkan-Samba »Kebop«, die legeren Boulevard-Verse zu »Je t'aime« oder im »Antidot« mit flapsigem Jazzrockmotiv. Wie überhaupt das Massoud Godemann Trio frappierende Polyrhythmik kultiviert: jeder Musiker spielt mit stark individuellem Pulsschlag, doch deren Frequenzen konvergieren in entscheidenden Momenten, sodass die Musik wie ein verschachteltes Sonett stets einem Reim zustrebt. Um so mehr bleibt ein Rätsel, warum dieses Album »Fat Jazz« heißt.
Was ist Jazz? Eine Frage, die das Massoud Godemann Trio am liebsten auf der Bühne beanwortet. Zu meist in Deutschlands Norden, in kleinen Clubs und Tanzsälen wie dem »Cafe Keese«.
Erlaubt ist, was gefällt, heißt stets das Motto von Gitarrist Godemann, Gerd Bauder (Bass) und Michael Pahlich (Drums), so auch auf ihrem Album »Fat Jazz«. Groovende Songs, rätselhafte Collagen und stille Balladen sind das Ergebnis ihrer Forscherarbeit. Blues, Funk und Rock paaren sich mit überragender Virtuosität, mit der sie weit über den Standard des zeitgenössischen Jazz hinausblicken. „Jazz kommt von der Straße“, sagt Godemann.
Obwohl noch recht jung, spricht der Werdegang von Massoud Godemann doch Bände: der Schüler von Joe Pass wandelte als Gitarrist und Komponist vom Jazz zum Hardrock und zurück.
Dort wieder angelangt und um einige Erfahrungen reicher, folgt mit vorliegendem Album der Bruch mit allzu akademischer Herangehensweise - an deren stelle man einfach die pure Spielfreude rückte: in der klassischen Triobesetzung mit Bass und Schlagzeug ist kein Platz rnehr für frickeliges Stückwerk, im Mittelpunkt stehen nun Komposition und Variation.
Dennoch beginnt »Fat Jazz« eigentlich sehr reduziert. Mit »Afrodite« eröffnet die Band beinahe schüchtern, drängt sich nicht in den Vordergrund und gewinnt so doch die Aufmerksamkeit des Hörers. In fahrt kommt das Massoud Godemann Trio beim anschließenden »Kebop«, das sich binnen weniger Minuten als echter kleiner Mitreißer entpuppt. Ein Muster, dem im Verlauf der CD gefolgt wird: »Je t'aime« lässt ähnlich des Openers aufhorchen, das bündige »Antidot« oder »Vis à vis« dagegen fesseln anschließend mit zwingendem Groove.
Doch mehr als irgendwelche affektierte Improvisation steht vor allen Dingen der Songfluss im Mittelpunkt des Albums; auch wenn im Verlauf der neun Songs immer wieder fur subtile Zwischentöne Platz gemacht wird. Übermäßige Alleingänge der Protagonisten gibt es kaurn, zu keiner Sekunde gewinnt reine Spieltechnik - obwohl fraglos vorhanden - die Oberhand. gerade dank der dezenten, songdienlichen Arbeit seiner Rhythmussektion ist »Fat Jazz« ein lebendiges, lohnendes Stück Musik geworden.
Massoud Godemann (Gitarre), Gerd Bauder (Bass) und Michael Pahlich (Schlagzeug) sind ein Trio. Jazz ist ihre Leidenschaft. Aber nicht der Stangenjazz, den man bei C6A um die Ohren bekommt. Nein, freier, ja liberaler Jazz steht ihnen nah.
Standards spielen sie nicht, dafür Improvisationen, Jazz- Sessions mit offenem Ende und -bei soviel Freiheit relativ verblüffend: mit einem leicht rötlich Faden durch alle Songs. Sprich: das Massoud Godemann Trio hat schon einen Stil. Schwer scheint der findbar, aber leicht entdeckbar. Ein Haken muss natürlich bei der Geschichte auch sein und bedeutet im Fall des Massoud Godemann Trio, das man bereit willig Zeit und Mühe investieren muss, die forschen oder bisweilen unkonventionellen, Reisen der Hamburger mitzufahren.
Aber völlig am Ende dann, wenn die Autotür zu geschlagen, der Koffer vor dem Hotel nieder gestellt wird und die Rezeption in greifbarer Nähe hinterm Treppenrand auftaucht, bestätigt sich eine Aussage des Informationsblattes zur CD: das Massoud Godemann Trio spielt Jazz aus dem Leben. In vivo Veritas. Et Claudius gaudet.
Nach dem Ausbrechen aus dem von den Eltern vorgegebenen Lebensweg, […] zieht Massoud Godemann nach Wien und lernt dort Jazzgitarre und Komposition.
Anschliessend spielt er zwei Jahre in einer Rockband - Godemann hat das Gefühl. das Jazzstudium habe ihn verbildet -. beschäftigt sich mit experimenteller Musik und spielt von 1995 an fünf Jahre lang nur Solokonzerte.
Mit »Fat Jazz« scheint sich der Kreis zu schliessen, denn die Begeisterung Godemanns hat ihren Ursprung in seinem 19. Lebensjahr, als er zum ersten Mal Joe Pass hörte. Er spielt (wieder?) mit rundem, klassischem Ton und verwendet ein eher traditionelles, jedenfalls nicht aufmüpfiges Vokabular. Zu hören sind neun Kompositionen aus der Feder des Leaders, deren rhythmischer Boden mal ruhig, mal funky, mal leicht swingend ist oder auch mal eher Richtung Bossa geht.
Wenn der Jazz von der Straße kommt, wie ein jüngerer Gitarrist und Chef eines Trios meint, dann erwartet der Hörer raue, freie, von Schemata losgelöste Musik. Die findet er beim Massoud Godemann Trio aber nicht in jedem Titel.
Seine Intuition entspringt einer europäischen Auffassung des Jazz, was direkt im ersten Stück, »Afrodite« , ohrenfällig wird. Feinste Melodiestrukturen verwischen (noch) die schreienden Tonfarben der Straße. Aber sie tasten sich heran an den Groove, beschwören die Improvisationsmöglichlkeiten innerhalb der Kompositionen. So wird aus »Fat Jazz« (Goodsongs/Sony) doch noch eine individuell swingendes Debüt des multinationalen Hamburger Bürgers.
Die Vorgabe ist klar. „Keine Jazz-Standards!“, erklärt Bandleader und Komponist Massoud Godemann.
Er ergänzt: „Das Album soll Geschichten aus Paderborn oder Hamburg erzählen, nicht die aus New York oder New Orleans.“ Das Vorhaben setzt Massoud virtuos um: Er verknüpft Blues-, Funk- und Rock-Elemente und entfaltet darüber sein Solistentalent. Urteil: Erfrischende Jazz-Improvisation mit Groove in den Saiten.
Wer gedacht hat, jetzt hat sich's ausgejazzt, wird nachfolgend und umgehend eines Besseren belehrt, denn da ist noch diese wunderbare CD des Massoud Godemann Trio hier eingelaufen, die sich »Fat Jazz« nennt.
Der ehemalige Schüler von Joe Pass hat verinnerlicht, was der Meister ihm beigebracht hat: „Jazz kommt von der Straße“. Innovativ und schön klingt das Album und war für uns eine willkommene Abwechslung inmitten von unzähligen Rock- und Indie-CDs, die wirklich zuhaufe hier gelandet sind.
"Fein ziselierte, durchsichtige Klänge," schwärmte der KulturSPIEGEL von der Musik dieses Trios. Für die Jazzthing eröffnete das Debutalbum der Hamburger gar einen "unerwarteten und bislang unerforschten Weg durch das Dickicht der Jazz-Postmoderne."
Die Kritik ist sich einig: das Massoud Godemann Trio besticht nicht alleine durch Virtuosität, sondern ist vor allem "von wohltuender Ehrlichkeit und Authentizität." Absolut hörenswert, nicht nur für eingefleischte Jazzfans.